In Niedersachsen sorgt eine Mathe-Reform für Aufregung: Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen Grundschüler dort nicht mehr schriftliches Dividieren lernen. Auch das Rechnen mit Kommazahlen entfällt weitgehend.
Darum schafft Niedersachsen das schriftliche Dividieren ab
Die Begründung des niedersächsischen Kultusministeriums: Schriftliches Dividieren sei zu komplex, zu fehleranfällig. Stattdessen sollen Kinder künftig nur noch „halbschriftlich“ rechnen – also große Zahlen in kleinere Schritte aufteilen. Die Ergebnisse werden anschließend addiert. Das soll helfen, mit größeren Zahlen umzugehen.

Berlin macht da nicht mit! Auf KURIER-Anfrage stellt die Berliner Senatsverwaltung für Bildung klar: „Im Land Berlin wird dieser Stoff weiter in der Grundschule behandelt.“ Der entscheidende Unterschied: In Berlin gehört die Orientierungsstufe 5/6 noch zur Grundschule – und genau dort wird das schriftliche Dividieren unterrichtet. „Die Verankerung dieses Themas im Jahrgang 5/6 wird als altersangemessen eingeschätzt“, heißt es aus der Bildungsverwaltung.
Berlin folgt damit den bundesweiten Bildungsstandards für den Primarbereich von 2022, die bereits vollständig in den Berliner Rahmenlehrplan übernommen wurden.
Warnung vor Lernlücken
Während Berlin an bewährten Methoden festhält, wächst in Niedersachsen die Kritik. Eltern befürchten, dass ihre Kinder wichtige Grundkompetenzen verpassen.
Stefan Düll (62), Präsident des Deutschen Lehrerverbands, warnt gegenüber dem Berliner KURIER: „Das schriftliche Dividieren ist wichtig für die weiterführenden Schulen. Bei großen Zahlen stößt das ‚halbschriftliche‘ Rechnen an seine Grenzen. Außerdem schult es das logische Denken und das systematische Vorgehen.“ Düll fordert daher die Möglichkeit der Differenzierung durch das Anwenden beider Rechenwege.


