Lichtenberg

Nächstes DDR-Gebäude abgerissen – das ist der Grund

Immer mehr DDR-Bauten verschwinden aus Berlin. Auch das Lichtenberger Kreativhaus „Heikonaut“ wurde abgerissen. Jetzt steht fest, was hier stattdessen entsteht.

Author - Sharone Treskow
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So sah der „Heikonaut“ vor dem Abriss aus. Zu DDR-Zeiten wurde der Bau als Kita genutzt, später wurde er als Kreativwerkstatt genutzt.
So sah der „Heikonaut“ vor dem Abriss aus. Zu DDR-Zeiten wurde der Bau als Kita genutzt, später wurde er als Kreativwerkstatt genutzt.Bezirksamt Lichtenberg

In Lichtenberg im Ortsteil Friedrichsfelde entsteht ein weiteres großes Wohnprojekt, das direkt an jene Berliner gerichtet ist, für die günstiger Wohnraum besonders knapp ist: Beschäftigte des Landes. Doch die Vergangenheit dieser Adresse war zuletzt ein großer Aufreger im Kiez.

Schicker Wohnraum statt DDR-Kita

An der Sewanstraße 122 plant die landeseigene Berlinovo den Bau von insgesamt 120 Apartments – wenige Jahre nachdem der Abriss des ehemaligen Kreativhauses „Heikonaut“ im Jahr 2024 für öffentlichen Ärger gesorgt hatte. Eine schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus liefert nun detaillierte Einblicke in den Stand des Projekts, den Zeitplan und die Hintergründe.

Auf dem Grundstück sind drei zeilenförmige Gebäude geplant, die preiswerte Wohnungen für Landesbeschäftigte bieten sollen. Der Baustart befindet sich bereits in Vorbereitung, da die rechtlichen Voraussetzungen inzwischen erfüllt sind. Damit wird ein schon lange diskutiertes Vorhaben Realität, das von vielen Beschäftigten im öffentlichen Dienst sehnsüchtig erwartet wird – vor allem in den sogenannten Mangelberufen, die dringend Fachkräfte benötigen. Nur wenige Meter entfernt steht bereits ein Neubau der Howoge an der Sewanstraße 256 A–C, dessen Fertigstellung für dieses Jahr geplant ist.

Der Neubau direkt neben dem ehemaligen „Heikonauten“ in der Sewanstraße steht bereits.
Der Neubau direkt neben dem ehemaligen „Heikonauten“ in der Sewanstraße steht bereits.Markus Bachmann/Howoge

Das Areal selbst hat in Lichtenberg eine bewegte Geschichte. Bis 2024 nutzten Kreative das ehemalige DDR-Gebäude als Atelier – ein Ort, der über Jahre gewachsen war und ein wichtiger Treffpunkt der Szene war. Zu DDR-Zeiten wurde der graue, zweistöckige und unterkellerte Flachbau als Kindergarten genutzt. Der Abriss, der 2024 durchgesetzt wurde, stieß auf deutliche Kritik.

Verlust für die Kreativszene und DDR-Geschichte

Auf rund 9200 Quadratmetern Geschossfläche sollen künftig Ein- bis Vier-Zimmer-Apartments entstehen. Die neue Wohnanlage richtet sich in erster Linie an Beschäftigte des Landes Berlin – besonders an jene Berufsgruppen, um die das Land mit wachsender Dringlichkeit wirbt. Laut Senat besteht ein „hohes öffentliches Interesse“ an dieser Form des Beschäftigtenwohnens, das den angespannten Wohnungsmarkt entlasten soll.

Ein Hinterhof der Sewanstraße. In diesem Kiez entsteht bald ein Neubau der Berlinovo für landeseigene Mitarbeiter.
Ein Hinterhof der Sewanstraße. In diesem Kiez entsteht bald ein Neubau der Berlinovo für landeseigene Mitarbeiter.imago stock&people

Die Fertigstellung ist für das Jahr 2027 geplant. Für viele Berliner Landesbedienstete dürfte das Projekt neue Chancen eröffnen – doch gleichzeitig bleibt der Konflikt zwischen Wohnraumbedarf und Kreativverlust bestehen. Denn der Abriss des Heikonaut-Gebäudes hallt nach. Die damaligen Nutzerinnen und Nutzer kritisierten vor allem die geringe Transparenz und die spät kommunizierten Abrisspläne.

Trotzdem gilt das Projekt inzwischen als gesetzt. Mit Baugenehmigung und Eigentumsübertragung ist die Umsetzung kaum noch aufzuhalten. Der Neubau an der Sewanstraße 122 steht damit exemplarisch für eine zentrale Berliner Frage: Wie viel Platz bleibt Kreativen, wenn bezahlbarer Wohnraum zur politischen Priorität wird?

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