
Luis ist 17 und wohnt in einem kleinen Dorf bei Templin (Brandenburg). Er fährt leidenschaftlich gern Motorrad. Doch momentan steht seine Maschine in der Garage, denn der Gymnasiast kämpft gegen seine schwere Erkrankung: Knochenkrebs! Als die 22-jährige Annika aus dem Motorradclub „Knieschleifer“ aus München von seinem Leid erfuhr, zögerte sie nicht lange und beschloss Luis zu helfen. Denn die beiden teilen nicht nur das gleiche Hobby, sondern müssen auch einen schweren Schicksalsschlag meistern.
Annika fährt fast 500 Kilometer von Ursensollen (Rheinland-Pfalz) nach Templin, um dem krebskranken Brandenburger Schüler eine Freude zu machen. „Ich möchte Luis Mut zusprechen und ihm beweisen, dass das Leben weitergeht und es sich immer lohnt zu kämpfen, egal wie schwer es sich gerade anfühlt“, sagt die junge Frau und sie weiß, wovon sie spricht. Sie selbst hatte vor drei Jahren einen schweren Motorradunfall und brach sich dabei gleich an sechs Stellen die Wirbelsäule. Seitdem fährt sie nicht mehr Motorrad und musste auch ihre Ausbildung zur Krankenschwester abbrechen. „Ich darf den Job wegen meines Rückenproblems nicht mehr ausführen und musste mir einen neuen Beruf suchen“, sagt sie. Annika macht jetzt eine Lehre zur Ergotherapeutin.

Niederschmetternde Krebsdiagnose Anfang des Jahres
Auch Luis’ Leben hat sich mit der niederschmetternden Krebsdiagnose Anfang des Jahres verändert. „Mein Knie war auf einmal ganz dick und geschwollen“, sagt er. Er habe das zunächst auf eine Überbelastung zurückgeführt. Doch als sein Arzt ihn in die Radiologie überwies, kam die Wahrheit nach einer Untersuchung im MRT heraus: Ein Tumor im Oberschenkelknochen kurz über dem Knie war Ursache der Schwellung. „Das war ein richtiger Schock für mich“, erinnert sich Luis. Gerade muss er seine Chemotherapie im Helios-Klinikum in Berlin-Buch durchstehen und hat mit den starken Nebenwirkungen zu kämpfen. Am 3. Juni wird er dort operiert. Dann wird ihm der Tumor entfernt und auch sein Kniegelenk herausgenommen, das dann durch ein künstliches Gelenk ersetzt wird. Der Eingriff hat Konsequenzen für sein bisheriges agiles Leben: „Ich darf nie wieder Handball spielen. Als der Arzt mir das erzählt hat, war ich anfangs sehr traurig“, berichtet der Gymnasiast. Auch Motorrad darf er momentan nicht fahren.
Annika weiß, wie es sich anfühlt, wenn man das, was einem Spaß macht, notgedrungen aufgeben muss. „Ich bin nur knapp an einer Querschnittlähmung vorbeigeschrammt und verzichte jetzt lieber auf das Motorradfahren, weil ich mich jetzt unsicher fühle“, sagt sie. Am Donnerstag wird sie Luis besuchen und ihm ein Geschenk mitbringen: ein spezielles Fitness-Gerät, mit dem er nach seiner Operation Krafttraining machen kann, um die Muskulatur an seinem kranken Bein wieder zu stärken. Das Geld hat sie aus den Einnahmen eines Erotik-Shootings genommen. Ein neues Hobby, das Annika für sich entdeckt hat. Sie hat gemeinsam mit 11 anderen Mädchen aus ihrem Motorradclub einen Jahreskalender produziert und damit 3000 Euro verdient.
Die Krankheit hat große Veränderungen angeschoben
„Ich finde es megatoll, dass es mir Annika ermöglicht, dass ich künftig von zu Hause aus trainieren kann“, sagt er. Luis besucht die 12. Klasse eines Gymnasiums in Templin und würde normalerweise im Sommer sein Abitur machen, doch gerade kann er wegen seiner Erkrankung nicht zur Schule gehen. Während seiner Krankenhausaufenthalte habe er sehr viel über sein Leben nachgedacht, so sagt Luis. Das hat Veränderungen bei ihm angeschoben, ähnlich wie bei Annika. „Ich möchte in einer Motorradwerkstatt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen und ohne Abi von der Schule abgehen“, verrät er. Vor kurzem konnte er bei einem Praktikum schon mal einen kleinen Einblick in seinen künftigen Berufswunsch erhalten. Luis’ Zukunftspläne geben ihm die nötige Kraft, den bösen Krebs zu besiegen.
