Politik

Wegner zieht Spitzenkandidatur zurück: „Glauben Sie es mir, ich ärgere mich am meisten“

Nach der Stromausfall-Affäre geriet Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner unter Druck. Nun zieht er seine Spitzenkandidatur für die September-Wahlen zurück.

Author - Mariella Mandurino
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Seit dem 27. April 2023 ist Kai Wegner Regierender Bürgermeister von Berlin.
Seit dem 27. April 2023 ist Kai Wegner Regierender Bürgermeister von Berlin.Jörg Carstensen

Bitteres Aus für Kai Wegner (53, CDU)! Der amtierende Regierende Bürgermeister von Berlin zieht seine Kandidatur als Spitzenkandidat für die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September zurück. Das gab er am Freitag bekannt. Dennoch wird er weiter im Bürgermeisteramt bleiben. Für Kai Wegner wurde die Schlinge um den Hals immer enger: Vorwürfe wegen angeblicher Lügen, mangelnde Regierungskompetenz und schlicht zu viele Fehler.

Das sagt Kai Wegner zu seinem Rücktritt

In seiner Pressekonferenz sagte er: „Meine Damen und Herren, als ich vor sieben Jahren CDU-Landesvorsitzender wurde, haben alle gesagt, das schafft der nicht. Der wird das nicht hinkriegen. Das war 2019 und ich bin Landesvorsitzender geworden. Viele haben nicht geglaubt, dass ich regierender Bürgermeister werde und ich bin es geworden. In diesem Amt war mir immer wichtig, dass ich bleibe wie ich bin und dass ich authentisch bleibe. Dieses Amt ist mir eine große Ehre. Berlin ist meine Heimatstadt. Berlin ist mir eine Herzensangelegenheit. Dabei waren die Menschen immer im Vordergrund, immer im Mittelpunkt. Das habe ich mit großer Leidenschaft gemacht und ich glaube, auch erfolgreich.“

Kai Wegner (CDU) ist noch immer Regierender Bürgermeister von Berlin.
Kai Wegner (CDU) ist noch immer Regierender Bürgermeister von Berlin.Carsten Koall

Weiter sagte er: „Ich habe in den letzten Tagen festgestellt, dass ich mit den wichtigen Themen nicht mehr durchdringe. Ich kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu senden, weil eine andere Debatte alles überlagert. Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht. Und glauben Sie es mir, ich ärgere mich am meisten. Die Stadt Berlin ist wichtiger als eine Person. Die Berlinerinnen und Berliner sind mir wichtiger als meine Person. Auch die Partei ist mir wichtiger. Und deswegen werde ich heute Abend den Kreisvorsitzenden sagen, dass ich von einer Spitzenkandidatur Abstand nehme. Dass ich nicht erneut als Spitzenkandidat zur Verfügung stehe. Es war mir eine große Ehre für meine Heimatstadt Berlin zu arbeiten. Ich will den Weg frei machen, dass die CDU nicht durch Personaldebatten in den nächsten Wochen weiter geschwächt wird.“ Wegner ergänzt: „Die Kommunikation war Mist.“

Lügen-Vorwürfe zu Wegners Krisenmanagement

Am 20. September 2026 wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Für die CDU sieht es laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage derzeit düster aus: Sie liegt nur noch auf Platz vier – hinter Linken, Grünen und AfD. Allerdings trennen die Parteien nur wenige Prozentpunkte. Wegner wird nun also nicht mehr als Spitzenkandidat aufgestellt. Die CDU stellt einen neuen Kandidaten.

Aber was war geschehen? Zurückzuführen sind die Vorwürfe auf den 3. Januar 2026. Dort versanken Teile im Südwesten von Berlin im absoluten Stromchaos durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke von Linksextremen. Doch Kai Wegner kümmerte sich nicht um die Bürger, sondern ging lieber vergnügt Tennis spielen – er wollte damals den Kopf freibekommen. Wenige Tage später erklärte Kai Wegner in einem Interview, er habe bereits um 8.08 Uhr begonnen, Telefonate zu führen. Er sagte: „Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.“

Statt sich um den Stromausfall in Berlin zu kümmern, war Kai Wegner lieber Tennis spielen.
Statt sich um den Stromausfall in Berlin zu kümmern, war Kai Wegner lieber Tennis spielen.kai-wegner.de

An dieser Darstellung kamen später Zweifel auf. Vor einigen Tagen kam nach Informationen des Tagesspiegels raus: Die Senatskanzlei soll mitgeteilt haben, dass Wegner vor 12.45 Uhr kein einziges dienstliches Telefonat zum Stromausfall geführt habe. Der Austausch habe demnach zunächst vor allem über Textnachrichten stattgefunden. Erst um 12.45 Uhr soll Wegner mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey telefoniert haben.

Kai Wegner räumte schon vor Monaten Fehler ein

Wegner widerspricht nun dem Eindruck, er habe vor 13 Uhr überhaupt nicht telefoniert. In einem Beitrag auf X erklärte er: „Ich habe am 3. Januar vor 13 Uhr zwei Telefonate geführt“ und darüber hinaus vor allem per Textnachrichten kommuniziert. Wer seine Gesprächspartner bei diesen beiden Telefonaten waren und ob es sich um dienstliche Gespräche zum Blackout handelte, geht aus seiner Erklärung allerdings nicht hervor.

Bereits im März hatte der Regierende Bürgermeister eingeräumt, Fehler bei seiner Kommunikation gemacht zu haben. Er sagte damals: „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht und möchte mich dafür bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen.“ Jetzt erklärte er erneut, durch seine Aussagen Anfang Januar sei ein Eindruck entstanden, den er bis heute bedauere. Für ihn sei entscheidend, aus Fehlern zu lernen und es künftig besser zu machen.

Damit geht es in der Affäre längst nicht mehr nur um die Frage, ob Wegner während des Stromausfalls ausreichend erreichbar war. Im Mittelpunkt steht inzwischen seine Glaubwürdigkeit: Welche Telefonate führte er tatsächlich, mit wem sprach er und warum klang seine erste Darstellung deutlich umfassender als die später bekannt gewordenen Abläufe?

Finden Sie, Kai Wegner sollte sofort als Regierender Bürgermeister zurücktreten? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com