Das neue Ranking der Tierschutzorganisation PETA wirft einen scharfen Blick auf die Berliner Veterinärämter und zeigt deutliche Unterschiede.
Große Unterschiede beim Tierschutz in Berlin
Obwohl alle Berliner Behörden theoretisch nach denselben gesetzlichen Vorgaben arbeiten sollen, bewertet PETA ihr Vorgehen bei Hinweisen auf mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sehr unterschiedlich.
Zum Hintergrund: Veterinärbehörden sollen Verstöße prüfen, Kontrollen durchführen und Maßnahmen anordnen. Wie konsequent das jeweils geschieht, fließt in das Ranking ein. Bei der Auswertung zeigt sich laut PETA, dass Engagement und Reaktionsgeschwindigkeit der Ämter stark variieren.

Bundesweit gingen im vergangenen Jahr rund 5200 Meldungen bei der Organisation ein, so die Pressemitteilung der Tierschützer. Für zwei Berliner Bezirke fällt das Urteil besonders gegensätzlich aus: Tempelhof-Schöneberg erhält Lob, Pankow landet weit hinten.
Tempelhof-Schöneberg ist Tierschutz-Spitzenreiter
Als positives Beispiel hebt PETA das Veterinäramt Tempelhof-Schöneberg hervor. Auslöser war ein besonders grausamer Fall von Tiermisshandlung: Videoaufnahmen dokumentierten sexualisierte und massive körperliche Gewalt gegen einen Welpen.
PETA-Ermittlerinnen emachten die mutmaßliche Täterin in Berlin ausfindig. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt und der Veterinäraufsicht wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Welpe kam in behördliche Obhut, wurde medizinisch versorgt und anschließend vermittelt.

Für PETA zeigt dieser Einsatz, wie schnell und entschlossen Behörden handeln können, wenn alle Beteiligten koordiniert arbeiten. Tempelhof-Schöneberg zählt deshalb im Ranking 2025 zu den fünf tierfreundlichsten Veterinärbehörden Deutschlands. Ein Platz, der laut Organisation durch konsequente Arbeit verdient sei.
Pankow wird als „schlechtes Beispiel“ kritisiert
Deutlich schlechter schneidet das Veterinäramt Pankow ab. Hier soll PETA im September 2025 darauf aufmerksam gemacht haben, dass auf der Baustelle neben der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark über Monate hinweg kranke und tote Tauben gefunden wurden. Laut PETA gab es dort verunreinigtes, offen zugängliches Wasser, aus dem die Tiere tranken. Obwohl Hinweise mehrfach an das Veterinäramt gemeldet wurden, habe die Behörde angeblich nicht reagiert.

Eine ehrenamtliche Helferin ließ schließlich selbst eine Taube untersuchen und der Befund bestätigte den Verdacht: Die Taube war „durch Vergiftung gestorben“. Der Versuch, die Baustelle mit einem Vergrämungsnetz abzusperren, verschärfte später das Problem nach Angaben einer PETA-Sprecherin gegenüber dem KURIER: Die Netze seien für Tauben lebensgefährlich und zudem falsch angebracht gewesen, denn „Tauben […] gelangten nach wie vor in den Bereich der Baustelle“.
Nach Ansicht der Organisation hätte das Veterinäramt sofort aktiv werden müssen – mit Untersuchungen des Wassers, einer vollständigen Absperrung und einer Abstimmung mit ehrenamtlichen Helfern sowie der Badleitung. Außerdem seien weitere Tiere, möglicherweise auch andere Wildtiere, dem Risiko ausgesetzt gewesen, weil die Baustelle nicht gesichert war. PETA kritisiert, dass die Behörde sich angeblich „nicht verantwortlich für den Fall“ gefühlt und trotz wiederholter Hinweise keine Maßnahmen ergriffen habe.
Das Bezirksamt Pankow weist diese Vorwürfe zurück
Gegenüber dem KURIER weist das Bezirksamt Pankow die Aussagen von PETA zurück. Das Wasser, an dem die Tauben verstorben sein sollen, sei sehr wohl überprüft worden: „In einer von den Berliner Bäder-Betrieben (BBB) am 23.09.2025 entnommenen Probe aus der Pfütze konnte durch ein akkreditiertes und speziell auf die Untersuchung von Wasserproben ausgerichtetes Labor keine Toxizität bestätigt werden.“
Laut dem Bezirksamt habe PETA auch direkt eine Reaktion auf ihre Meldung bezüglich der Vögel bekommen: „Am 11.09.2025 antwortete VetLeb auf den am 10.09.2025 eingegangenen erstmaligen Hinweis von PETA auf die Tauben. In der Antwort wurde geschildert, dass der Fall durch VetLeb bereits in Bearbeitung ist und VetLeb mit der zuständigen Senatsverwaltung und dem Berliner Tierschutzverein Hauptstadttiere e.V. in engem Austausch stehen. Auch Hauptstadttiere e.V. selbst bestätigte PETA die Zusammenarbeit mit VetLeb.“ Auch auf weitere Nachfragen sei stets zügig reagiert worden.
Man habe auch entgegen der Behauptungen von PETA durchaus Maßnahmen zum Schutz der Tauben ergriffen: „Durch VetLeb erfolgte unverzüglich nach Kenntnisnahme des Sachverhaltes die Anordnung, den Tieren Frischwasser zu Verfügung zu stellen, nachdem die BBB zuvor den Bereich mit dem gestauten Wasser bereits mit Holzpaletten abgedeckt hatten“, so das Bezirksamt Pankow. Nach dieser provisorischen Sicherung der Situation folgte seitdem ein langwieriger Prozess, in dem sich alle relevanten Akteure (Senatsverwaltung für Inneres und Sport (SenInnSport), BBB, Hauptstadttiere e.V., VetLeb) zusammenfanden, um an einer nachhaltigen Lösung zu arbeiten.
PETA fordert unabhängige Kontrolle der Ämter
„Bei den mehr als 400 Veterinärbehörden in Deutschland beobachten wir weiterhin erhebliche Leistungsunterschiede“, erklärt die PETA-Fachreferentin Monic Moll. Zwar gelten überall dieselben Gesetze, doch der Ermessensspielraum sei groß. Entscheidend sei oft das persönliche Engagement der Amtstierärztinnen und Amtstierärzte. Ein strukturelles Problem sieht PETA in der fehlenden unabhängigen Kontrolle: Es gebe bislang keine Instanz, die mangelhafte Arbeit überprüft oder sanktioniert.

PETA rät Zeuginnen und Zeugen von Tierquälerei daher, sich zunächst an das zuständige Veterinäramt zu wenden und bei ausbleibenden Reaktionen hartnäckig nachzufragen, möglichst mit Foto- oder Videomaterial. Nur so ließen sich Missstände nachvollziehbar dokumentieren und Druck auf die Behörden aufbauen.



