Er ist einer der beliebtesten Entertainer Deutschlands, schuf mit Kunstfiguren wie Horst Schlämmer beste Unterhaltung im TV und auf der Bühne: Hape Kerkeling. Lange lebte er in Wilmersdorf, doch schon vor drei Jahren kehrte er der Hauptstadt den Rücken, um ins Rheinland zu ziehen. Den Grund verriet er nun bei „Maybrit Illner“: Die Hauptstadt ist ihm zu schwulenfeindlich geworden!
Hape Kerkeling: Umzug wegen „homophober Atmosphäre“
Kurz vor dem Christopher Street Day schockiert Hape Kerkeling die Berliner mit seinem Geständnis. In der Talkshow sagt er: „Die Atmosphäre ist deutlich homophober geworden. Und dementsprechend haben wir uns dafür entschieden, Berlin schweren Herzens zu verlassen und nach Köln zurückzugehen.“
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Dass Hape Kerkeling schwul ist, hat Deutschland vor 32 Jahren gegen seinen Willen erfahren. Damals war er 27 Jahre jung, als der Schwulenaktivist Rosa von Praunheim ihn in einer Talkshow outete. Was Hape Kerkeling damals überraschte: dass er schwul ist, hat seiner Beliebtheit beim Publikum keinen Abbruch getan.

Hape Kerkeling ist seit 32 Jahren offen schwul
Hape Kerkelings Aussage damals: „Sogar in der tiefsten bayerischen Provinz, wo ich kurz nach dem Outing auf Tournee war, bin ich nie dumm angequatscht worden. Es gibt in unserem Gewerbe so viele Untergrund-Schwule, die teilweise zur Tarnung in die Ehe geflüchtet sind. Ich kann nur jedem raten, sich nicht zu verstellen.“
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Seitdem geht Hape Kerkeling offen mit seinem Schwulsein um. Man würde hoffen, dass die Welt heute noch offener ist als vor 32 Jahren, aber Kerkeling scheint sich da nicht so sicher zu sein. Bei „Maybrit Illner“ erzählt er weiter, er fühle sich an die Weimarer Republik erinnert, also: viele gesellschaftliche Fortschritte, aber auch ein starker Rechtsruck. „Mir kommt es manchmal so vor, als seien wir am Vorabend von etwas, was ich jetzt nicht erleben möchte“, gesteht der Comedian und spielt damit auf den Nationalsozialismus an, der auf die Weimarer Republik folgte.

Wie homophob ist Berlin wirklich?
Damals war Berlin Vorreiter gegen Homophobie, war quasi das Zentrum für schwules Leben. Hape Kerkeling erwähnte bei „Maybrit Illner“ auch Magnus Hirschfeld, der in der Weimarer Republik zu Sexualität und Geschlecht geforscht hat und sich unter anderem dafür einsetzte, Homosexualität nicht mehr unter Strafe zu stellen. Mit dem Nationalsozialismus kam dann auch der Backlash. Wie weit sind wir heute davon entfernt?
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Das Antigewaltprojekt MANEO berichtet von schockierenden Zahlen, die Hape Kerkeling sicherlich nicht überraschen würden: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der homo- und transfeindlichen Angriffe vor allem in der Öffentlichkeit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die Polizei berichtet fast täglich von Vorfällen, die Tendenz ist seit Jahren steigend.
