Sie haben eine ganz eigene Anziehungskraft: in die Jahre gekommene Karussells, Vergnügungsparks und Rummel-Attraktionen. Gerade habe ich dieses Gefühl – eine Melange aus Melancholie und Ausgelassenheit – im Böhmischen Prater in Wien hautnah erlebt. Auf einem hölzernen Pferd namens Claudia saß meine Tochter und war selig.
Dabei trug Claudia wie auch Norbert und Otto und all die anderen Rösser in dem hundert Jahre alten Ringkarussell schon deutliche Spuren der Zeit. Genau diese machten das Erlebnis so besonders. Wie viele Menschen haben hier schon gesessen, den Duft aus den Fressbuden in der Nase? Wie viele Dramen haben sich abgespielt, weil es nicht noch eine weitere Runde auf der Achterbahn gab?
Auch im Osten Berlins gab es einen solchen Ort des Vergnügens wie den Böhmischen Prater: den Kulturpark Plänterwald. Zuhauf pilgerten die Ost-Berliner und ihre Gäste ins Grüne nach Treptow, um sich zu amüsieren. Der Weg von der S-Bahn war lang und bot genug Zeit, sich all die Herrlichkeiten auszumalen, die auf einen warteten.
Heute Spreepark früher Kulturpark Plänterwald
Der Kulturpark Plänterwald war der einzige große Vergnügungspark im Osten. 1969 war er zum 20. Geburtstag der Republik eröffnet worden. Das rote Riesenrad mit 40 Gondeln und 45 Metern Höhe ragte weit in die Berliner Luft.
Die Baukosten für den Park beliefen sich damals auf 160 Millionen DDR-Mark. Für die Realisierung arbeitete man sogar mit West-Firmen zusammen. Eine holländische Firma war damit beauftragt worden, den Park mit Fahrgeschäften auszustatten – das Unternehmen beschaffte neue und gebrauchte Attraktionen aus verschiedenen Ländern, sogar aus Amerika, erinnert sich Harald Lowack, zur damaligen Zeit Sicherheitsinspekteur des Parks in einem Podcast.

Die Geschäfte wurden allerdings an den Sozialismus angepasst und dementsprechend umbenannt – aus dem Karussell „Astrojet“ wurde das „Kosmodrom“, aus der Auto-Rennbahn „Carrera“ wurde der „Berliner Ring“. Dennoch hier im „Kulti“ gab es die kleine, große Freiheit in Ost-Berlin.
Was zum Freiheitsgefühl beitrug war vielleicht auch der blühende Schwarzmarkt vor den Toren des Parks: Hier gab es etwa Poster aus der Zeitschrift „Bravo“ für 25 DDR-Mark, West-Musik und anderes. Erinnern Sie sich?
Erinnerungen an Plänterwald gesucht
Genau diese Erinnerungen und Erinnerungsstücke sind nun gefragt. Wer kann über Erlebnisse im Berliner Plänterwald, dem heutigen Spreepark, berichten? Wer hat noch Fotos, Eintrittskarten und andere Erinnerungen? Ehemalige Besucher sind eingeladen, ihre Erinnerungen mit Künstlern zu teilen, die die Ausstellung „Past Pleasures – Vergangenes Vergnügen“ im Eierhäuschen planen.

Das teilte die Grün Berlin GmbH am Dienstag mit, die den Spreepark derzeit saniert. Denn nach der Wende verfiel der Park, 2014 kaufte der Berliner Liegenschaftsfonds den Spreepark zurück. Seitdem wird am Neustart gearbeitet.







