Berlin-Pankow

Seit 13 Monaten ohne Warmwasser: Pankower Bewohner verzweifeln am Bürokratie‑Chaos

In Berlin-Pankow lebt ein ganzer Häuserblock seit einem Jahr ohne Warmwasser. Ungeklärte Zuständigkeiten lassen die Menschen verzweifeln.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Sabine Wallburg (57) vor ihrer Haustür in Pankow. Sie hat seit 13 Monaten kein Warmwasser und ist verzweifelt.
Sabine Wallburg (57) vor ihrer Haustür in Pankow. Sie hat seit 13 Monaten kein Warmwasser und ist verzweifelt.André Beinke / Berliner Zeitung

Seit einem Jahr müssen Dutzende Pankower improvisieren und einiges aushalten. Weil die Warmwasseranlage defekt ist, erhitzen sie ihr Wasser im Kochtopf und duschen kalt. Ein ganzer Häuserblock rund um die John‑Schehr‑Straße, die Greifswalder Straße und die Eugen‑Schönhaar‑Straße lebt seit über zwölf Monaten unter diesen Bedingungen. Inzwischen melden sich auch frustrierte Wohnungsbesitzer beim Berliner KURIER.

Belastende Situation für die Bewohner

„Als Eigentümerin in der Anlage möchte ich zu Ihrer Recherche folgende Informationen ergänzen“, schreibt eine Wohnungsbesitzerin dem KURIER. Die Situation sei für alle Bewohner sehr belastend. Nicht nur für die Mieter. Viele Eigentümer wohnen in dem Häuserblock und sind daher „seit über einem Jahr ebenso von den Einschränkungen betroffen“.

„Auch wir haben uns entweder irgendwie damit abgefunden oder auf eigene Kosten Boiler angeschafft und sind mittlerweile sehr verzweifelt. Wir sehen uns mit einer Lage konfrontiert, in der wir zwar immer wieder Erklärungen der Hausverwaltung erhalten, es jedoch zu keiner Lösung kommt.“

Havarie bei der Fernwasserversorgung

„Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand handelt es sich um eine Havarie im Zusammenhang mit der Fernwärmeversorgung“, schildern die Eigentümer dem Berliner KURIER. Die Ursache des Problems liege an einem Verteilungspunkt der Anlage, der sich im Bereich des Gemeinschaftseigentums befindet und für Bewohnerinnen und Bewohner selbst nicht zugänglich sei.

„Diese Anlage ist vor über einem Jahr ausgefallen. In der Folge wurde zu heißes Wasser in die Leitungen eingespeist, wodurch erhebliche Schäden entstanden sind“, erzählen die Bewohner.

Das Problem: Weil die Anlage zum Gemeinschaftseigentum gehört, können einzelne Eigentümer keine eigenen Reparaturen beauftragen. Entscheidungen müssen innerhalb der großen Wohnungseigentümergemeinschaft getroffen und anschließend über die Hausverwaltung sowie unter Einbindung von Fachfirmen und Versicherungen organisiert werden.

Im Haus tauchen immer neue Probleme auf

Mehrere Fachfirmen seien bereits mit Prüfungen beauftragt worden – jedoch ohne greifbares Ergebnis. Stattdessen seien immer neue Hinweise und Schwierigkeiten aufgetaucht. „Gutachten wurden teilweise zurückgezogen und erneut in Auftrag gegeben“, berichtet die Eigentümerin.

Der Hinterhof der  Wohnhäuser der John-Schehr-Straße. Der komplette Häuserblock hat kein Warmwasser.
Der Hinterhof der Wohnhäuser der John-Schehr-Straße. Der komplette Häuserblock hat kein Warmwasser.André Beinke

Heillos versunken in einem Zuständigkeits-, Abstimmungs- und Entscheidungschaos harren die Mieter seit der Havarie ohne warmes Wasser aus. Wer konnte, hat sich selber einen Warmwasserboiler gekauft. Andere kochen sich auf dem Herd warmes Wasser.

Derweil sind seit 13 Monaten Ausfall noch nicht einmal die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten eindeutig geklärt. „Nach unserem Eindruck wird derzeit zwischen verschiedenen Beteiligten weiterhin geprüft, wer für Ursache, Behebung und mögliche Versicherungsleistungen zuständig ist.

Die Gebäudeversicherung sieht bislang keinen Versicherungsfall. Weder der Fernwärmebetreiber noch die Wohnungsverwaltung MVV fühlen sich verantwortlich. Wir erleben daher eine Situation mit erheblicher Bürokratie, in der Verantwortlichkeiten zwischen den Beteiligten hin- und hergeschoben werden“, so die Eigentümer.

Von der Hausverwaltung heißt es, dass zunächst die Beweislage gesichert werden müsse. Der Schaden wird solange eingefroren, bis technische oder versicherungsrechtliche Prüfungen abgeschlossen sind.

Havarie für Laien nicht zu durchschauen

„Viele private Eigentümerinnen und Eigentümer wohnen selbst in der Anlage“, schreibt die Betroffene, „und sehen sich in dieser Situation mit komplexen bürokratischen Abläufen, umfangreichen Abstimmungen und für Laien schwer nachvollziehbaren Zuständigkeitsstrukturen konfrontiert.“ Für einige führt das inzwischen zu deutlicher Überforderung.

Bis vor Kurzem soll zudem ein „institutioneller Eigentümer mit Sitz in Luxemburg“ den Großteil der Wohnungen gehalten haben, berichten Mieter. „Welche Rolle dieser Akteur derzeit einnimmt, ist uns jedoch nicht bekannt.“

Ob Mieter oder Eigentümer – alle im Wohnblock eint der Wunsch, dass in der John‑Schehr‑Straße endlich wieder warmes Wasser aus der Leitung kommt. Doch eine Lösung ist weiterhin nicht absehbar.

Und auch vom Bezirk Pankow ist keine rasche Hilfe zu erwarten. Die Behörde sei auf Hinweise aus den Häusern angewiesen – erst dann könne sie eingreifen, so eine Antwort aus dem Bezirksamt auf eine Anfrage der Berliner Zeitung.

Bezirksamt Pankow ist chronisch überlastet

Das Bezirksamt erklärt, dass Mängel zuerst von Mietern dem Vermieter gegenüber angezeigt werden müssten. Erst wenn das geschehen sei, und die Mängel nicht nicht oder nicht vollständig beseitigt würden, kann das öffentliche Ordnungsrecht greifen. Das System stoße laut dem Bezirk Pankow allerdings bei langwierigen Fällen wie diesem an Grenzen.

Klar ist aber auch: Der Ausfall von Warmwasser ist eine „massive Einschränkung“. Zugleich sieht das Bezirksamt Lücken im geltenden Miet- und Ordnungsrecht.

Wann das Problem endgültig gelöst sein wird, kann derzeit auch das Bezirksamt nicht sagen. Wegen mehrerer ähnlich gelagerter Fälle von Heizungs- und Warmwasserausfällen sei die Bau- und Wohnungsaufsicht stark belastet.

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