„Organspenden rettet Leben“ ist keine Plattitüde, sondern Fakt. Doch aktuelle Zahlen zeigen wieder, wie wenig gespendet wird – vor allem in der Hauptstadt. Diese mangelnde Solidarität macht mich wütend und tieftraurig. Warum sind die Berliner so egoistisch?
Nur 33 Berliner haben 2025 Organe gespendet
Die aktuellen Zahlen sind raus: Bundesweit erreichte die Organspende laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 2025 mit 985 Spenderinnen und Spendern den höchsten Stand seit 2012. Das sei ein „ermutigendes Signal“, aber „immer noch zu wenig“, so die in Frankfurt ansässige Stiftung.
In Berlin zeigt sich dabei eine bittere Tendenz nach unten: Die ohnehin schon geringen Spenderzahlen sind noch kleiner geworden! 2024 hatte die DSO in Berlin noch 42 und 2023 53 spendende Personen gezählt. 2025 waren es nur 33 Menschen, die nach ihrem Tod ihre Organe gespendet haben. Das ist bei weitem nicht mal einer täglich. Und das bei fast vier Millionen Einwohnern. Diese Zahlen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie kann das sein?

38.000 bis 40.000 Menschen sterben laut Statistik Berlin-Brandenburg jährlich in der Hauptstadt. Natürlich sind darunter einige, die aufgrund von Alterserscheinungen und Krankheiten nicht als Organspender infrage kommen. Trotzdem sollten dabei doch mehr Menschen zusammenkommen als nur 33, oder?
Zu faul oder zu egoistisch für den Organspendeausweis?
Auch in diesem Moment warten gerade Patienten in Berlin und ganz Deutschland auf eine Organspende. Menschen, die einen Unfall erlitten haben oder aufgrund einer schweren Erkrankung auf eine Niere angewiesen sind. Sie müssen oft monatelang warten – nicht selten bis in den Tod.

In Deutschland sterben jährlich etwa 800 bis 1000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen, wobei täglich etwa zwei bis drei Menschen auf der Warteliste sterben.
Und wieso? Weil viele zu faul oder zu egoistisch sind, einen Organspendeausweis auszufüllen. Stattdessen werden sie nach ihrem Tod mit ihren wertvollen Lungen und Herzen beerdigt, ohne noch etwas damit anfangen zu können.
Meine Forderung: Das niederländische Modell!
Wie man dieses große Problem lösen könnte? Werfen wir mal einen Blick nach Westen, in die Niederlande, wo das Organspende-Modell deutlich besser und effizienter läuft: Hier gilt seit dem 1. Juli 2020 die Widerspruchslösung (Actieve Donorregistratie).
Das heißt, jeder volljährige Bürger wird automatisch im Organspenderregister erfasst und gilt als Spender, sofern er nicht aktiv widerspricht oder eine andere Entscheidung (etwa die Überlassung an Angehörige) einträgt.
Dieses System, das eine Abkehr vom früheren Zustimmungsprinzip darstellt, zielt darauf ab, die Zahl der Spender zu erhöhen. Das könnten wir definitiv auch in Deutschland gebrauchen.
So wird man Organspender
Für alle, die jetzt ihr Gewissen gepackt hat: Organspender werden ist ganz leicht! Es gibt sogar drei Möglichkeiten: Entweder digital über das Organspende-Register oder klassisch mit dem haptischen Organspendeausweis, den man sich bei seiner Krankenkasse, Arztpraxis oder Apotheke besorgen kann. Oder aber man hält seine Entscheidung in einer Patientenverfügung fest.

Was viele nicht wissen: Es ist kein Problem, wenn man sich nur mit bestimmten Organspenden nicht wohlfühlt. Wer beispielsweise sein Herz nicht spenden möchte – bei seinen Augen oder seiner Haut aber keine Einwände hätte – kann das genauso vermerken.



