Elefanten, wuselige Szenen aus dem Leben Buddhas und eine tollkühn turnende halbnackte Dame: Vor dem Humboldt-Forum können sich Passanten und Besucher des Museumsbaus in die Details des Sanchi-Tors vertiefen. Es ist eine neu angefertigte Replik des rund 2000 Jahre alten Ost-Tores eines buddhistischen Heiligtums von Sanchi im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh.
Der Buddha Siddharta Gautama (vermutlich 563-483 v. Chr.) selbst ist nicht zu sehen: Der Stifter des Buddhismus, einer Religion ohne Götter, wurde zu Zeiten der Errichtung des Original-Tores nur symbolisch deutlich gemacht. Zum Beispiel mit einem Thron oder einem Fußabdruck.
Indische und deutsche Bildhauer waren gemeinsam am Werk
Die Arbeiten an der rund 150 Tonnen schweren und etwa 11 Meter hohen Sandsteinkonstruktion hatten im November begonnen. Die Grob-Arbeiten waren maschinell im Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser erfolgt: Roboter schnitten den rötlichen Sandstein aus Röttbach (bei Würzburg) anhand von Daten aus, die dreidimensional fotografisch von vorhandenen Gipsvorlagen abgenommen worden waren. An den eigentlichen Reliefs arbeiteten Steinbildhauer aus Deutschland und Indien in Bamberg dann gemeinsam.
Das 1,6 Millionen Euro teure Projekt knüpft an die Replik des Sanchi-Tores im Stadtteil Dahlem aus dem Jahr 1970 an, wo die Kunstschätze von Ethnologischem Museum und Museum für Asiatische Kunst bis zum Umzug ins Humboldt-Forum zu sehen waren. Diese erste Kopie steht dort noch. Bereits 1886 war ein Abguss im damaligen Königlichen Museum für Völkerkunde zu sehen, den man in London gekauft hatte.

Das Original des Sanchi-Tors steht noch in Indien
Das Original des Tores dient in Sanchi, seit 1989 Teil des UNESCO-Welterbes, noch immer als einer von vier Eingängen des „Großen Stupa“. Der Bau in Form einer Halbkugel, in dem Reliquien buddhistischer Heiliger aufbewahrt werden, ist einer von drei Stupas in dem Ort.
Neben der neuen Kopie wird noch ein Bronzemodell des Stupa aufgestellt, damit Blinde es ertasten können.


