Rätselhafte Fälle

Vermisst: An diesen drei Berliner Orten verschwanden Menschen

Drei Orte, drei Geschichten, drei Spuren – und bis heute keine Antworten. Die Fälle beginnen an ganz normalen Orten und enden bis heute im Nichts.

Author - Paula Hitzemann
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In diesem Haus in Neukölln-Britz wurde Rebecca Reusch zum letzten Mal gesehen.
In diesem Haus in Neukölln-Britz wurde Rebecca Reusch zum letzten Mal gesehen.Olaf Wagner

Ein gepflegtes Wohnviertel in Neukölln, eine viel befahrene Straße in Kreuzberg und eine der am besten überwachten Gegenden mitten im Zentrum. Berliner kennen diese Ecken, sie fühlen sich vertraut an. Und doch haben sie eins gemeinsam: Es sind Orte, an denen Menschen spurlos verschwanden.

Sandra Wißmann: Das verschwundene Kind

Feierabendverkehr auf dem Kottbusser Damm. Autos rauschen vorbei, die Lichter spiegeln sich auf dem nassen Asphalt. Menschen sind auf dem Heimweg, ziehen ihre Jacken enger. Nur wenige Schritte entfernt fließt der Landwehrkanal durch die Stadt.

<a href="https://www.berliner-kurier.de/berlin/verschwunden-seit-2000-wer-sah-sandra-12-zuletzt-li.10038247">Sandra Wißmann aus Berlin-Kreuzberg wird seit dem 28. November 2000 vermisst.</a>
Sandra Wißmann aus Berlin-Kreuzberg wird seit dem 28. November 2000 vermisst.BKA

Am 28. November 2000 verabschiedet sich Sandra Wißmann (12) gegen 15 Uhr von ihrer Mutter. Ihr Ziel: Karstadt am Hermannplatz. Sie will ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter besorgen. Gegen 16.40 Uhr beobachtet ein Passant, wie sie in Richtung Kanal läuft. Es sind nur noch 300 Meter bis nach Hause. Doch Sandra kommt nie an.

Die zwölfjährige <a href="https://www.berliner-kurier.de/berlin/verschwunden-seit-2000-wer-sah-sandra-12-zuletzt-li.10038247">Sandra Wißmann</a>&nbsp;wurde im Bereich des Kottbusser Dammes zwischen Bürknerstraße und Maybachufer das letzte Mal gesehen. Sie wohnte in der Böckhstraße.
Die zwölfjährige Sandra Wißmann wurde im Bereich des Kottbusser Dammes zwischen Bürknerstraße und Maybachufer das letzte Mal gesehen. Sie wohnte in der Böckhstraße.Olaf Wagner

Trotz über 160 Hinweisen und einer bundesweiten Fahndung bei „Aktenzeichen XY“ bleibt der Fall ungelöst. Für die Polizei steht mittlerweile fest: Alles deutet darauf hin, dass sie Opfer eines Verbrechens wurde. Der Fall wird zum Cold Case und bleibt es bis heute. Es ist, als ob der Kotti die Zwölfjährige verschluckt hätte.

Aleph Christian von Fellenberg Palma: Der verschollene Geschäftsmann

Es halten regelmäßig schwarze Limousinen, Koffer rollen über den Boden und Türen öffnen sich leise automatisch. Wer hier ein- und ausgeht, wirkt oft zielstrebig. Am Berliner Gendarmenmarkt, wo Touristen und Geschäftsleute zwischen Konzerthaus und Deutschem Dom flanieren, liegt das Hilton-Hotel. Ein Ort, der eigentlich Sicherheit und Diskretion verspricht.

Der Geschäftsmann Aleph Christian von Fellenberg Palma wurde am 20. April 2025 zuletzt gesehen.
Der Geschäftsmann Aleph Christian von Fellenberg Palma wurde am 20. April 2025 zuletzt gesehen.Polizei Berlin

Aleph Christian von Fellenberg Palma (33), ein deutsch-chilenischer Unternehmer, reist Mitte April 2025 nach Berlin. Er wohnt im Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt. Am 20. April besucht er den Privatclub des Soho House Berlin, trifft sich mit einem Bekannten und kehrt dann gegen 18.30 Uhr in sein Hotel zurück. Am späten Abend gegen 22 Uhr verlässt er das Hotel erneut. Es ist das letzte Mal, dass er gesehen wird.

Zwar gehen viele Hinweise ein, aber die Suche bleibt erfolglos. Ein Polizeihund findet im Tiergarten die Smartwatch des Vermissten. Viele Hinweise bringt sie jedoch nicht.

Der 33-jährige Aleph Christian von Fellenberg Palma verließ das Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt um 22 Uhr.
Der 33-jährige Aleph Christian von Fellenberg Palma verließ das Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt um 22 Uhr.Olaf Wagner

Während die Ermittlungen aktuell weiterlaufen, bleibt für die Familie vor allem eines: quälende Ungewissheit. Mitten im Zentrum Berlins, überwacht von Kameras – und trotzdem verschwindet ein Mann spurlos.

Rebecca Reusch: Die vermisste Teenagerin

Gepflegte Vorgärten, saubere Einfamilienhäuser, Kinderkreide auf dem Asphalt. Wer durch die Straße nahe des Britzer Gartens läuft, würde kaum vermuten, dass genau hier einer der rätselhaftesten Kriminalfälle Deutschlands begann. Und doch: In einem dieser unscheinbaren Häuser verschwindet am 18. Februar 2019 ein junges Mädchen.

Die 15-jährige Rebecca Reusch wurde zuletzt am 18. Februar 2019 im Haus ihrer Schwester gesehen.
Die 15-jährige Rebecca Reusch wurde zuletzt am 18. Februar 2019 im Haus ihrer Schwester gesehen.Polizei Berlin

Rebecca Reusch (15) ist am Morgen des 18. Februar 2019 im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers. Die Schwester verlässt gegen 7 Uhr die Wohnung, die Teenagerin bleibt mit dem Schwager allein zurück. In der Schule kommt sie nie an, ein Lebenszeichen gibt es nicht mehr.

Schnell geraten die Ermittlungen in eine Richtung: Der Schwager, der als Letzter mit Rebecca allein war, steht im Fokus. Er wird zweimal festgenommen, aber beide Male wieder freigelassen, weil Beweise fehlen. Es gilt daher die Unschuldsvermutung. Bis heute laufen immer wieder Suchaktionen, aber ein Durchbruch bleibt aus. Ein Haus, eine Straße – und ein Rätsel, das bleibt.

Viele Polizeieinsätze und Suchaktionen später gibt es noch immer keine Spur von der vermissten Jugendlichen.
Viele Polizeieinsätze und Suchaktionen später gibt es noch immer keine Spur von der vermissten Jugendlichen.Olaf Wagner

Kotti, Britz und Gendarmenmarkt: Hier verlieren sich die Spuren von Rebecca Reusch, Sandra Wißmann und Aleph Christian von Fellenberg Palma. Eines haben alle Fälle gemeinsam: keine Leiche, kein Geständnis, kein Beweis. Drei Fälle, drei Orte, ein Rätsel: Was geschah?

Tausende Vermisste

Leider sind diese drei Fälle nur die bekanntesten von mehreren tausend Vermisstenfällen. Laut Bundeskriminalamt waren zu Beginn des Jahres 2026 in Deutschland rund 9100 Menschen als vermisst gemeldet. Darunter sind sowohl Fälle, die sich schon nach wenigen Tagen aufklären als auch Schicksale, die seit Jahren ungelöst bleiben. Jeden Tag gehen bundesweit 200 bis 300 neue Vermisstenmeldungen ein, aber ungefähr jeder zweite Vermisstenfall löst sich schon in der ersten Woche auf. Nach einem Monat sind sogar über 80 Prozent der Fälle erledigt. Nur ein kleiner Teil von etwa drei Prozent bleibt länger als ein Jahr ungeklärt.

Auffällig: Mehr als zwei Drittel der Vermissten sind Männer. Und etwa die Hälfte aller Fälle betrifft Kinder und Jugendliche. Klar ist auch: Bleibt ein Fall ungelöst, läuft die Fahndung weiter – ohne Zeitlimit.

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