Für an die 57.000 Berlinerinnen und Berliner dürfte das schönste Ostergeschenk in diesem Jahr eine Spritze gewesen sein. So viele wurden zwischen Karfreitag und Ostermontag gegen Corona geimpft, sagte Detlef Cwojdzinski, Koordinator der sechs Impfzentren, dem Berliner KURIER. 18.000 Spritzen, mit dem Astrazeneka-Vakzin gefüllt, gingen bis auf wenige hundert an die 60- bis 70-Jährigen, die seit Karfreitag (und noch bis 11. April) überraschend ohne Einladung immunisiert werden können.
Die 60- bis 70-Jährigen nutzten die Chance, nachdem vergangene Woche auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission die für Jüngere vorgesehene Astrazeneca-Impfung – Lehrkräfte oder Kita-Erzieherinnen beispielsweise – ausgesetzt worden war, weil erneut Fälle einer sehr seltenen Gehirnvenen-Thrombose als mutmaßliche Nebenwirkung aufgetreten waren.

KURIER-Reporterin Maritta Adam-Tkalec zählte zu denen, die sich piksen ließen, was im früheren Terminal C in Tegel und in Hangar 4 von Tempelhof mit Astrazeneca ermöglicht worden war. Sie berichtet aus Tempelhof: „Ich habe kein Problem damit: Das Zeug wirkt, das Risiko ernster Nebenwirkungen ist homöopathisch winzig. Schon mit der ersten Impfung ist die Aussicht auf wochenlanges Koma mit externer Beatmung, vielen Schläuchen und Totalverlust der Selbstbestimmtheit deutlich geschrumpft. Das Schreckgespenst Long-Covid entschwebt. Ein schönes Gefühl. Ich habe eine der überaus freundlichen Betreuerinnen gefragt, wie die Leute gestimmt sind: ‚Erleichtert sind sie, sehr erleichtert, dass das Schlimmste abgewendet ist‘.“
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Ansonsten sei alles abgelaufen, wie schon oft berichtet: geordnet, zügig, zugewandt. „Rollstuhlfahrer hatten Vorfahrt. Fünf Minuten dauerte der Kern der Prozedur: Aufklärung durch einen jungen Arzt, Papiere hin und her. Die Kanüle der Spritze ist so dünn, dass man den Einstich kaum spürt. Dann 20 Minuten im Wartebereich, Zeit für einen Gedanken an all die Leute; die über die Feiertage Dienst an der Allgemeinheit taten – und rauf aufs Fahrrad. 24 Stunden später kein Fieber, nicht einmal Schmerz im Arm.“

Die gute Stimmung wiederholte sich am Ostermontag. Marion Becker-Berz (63) verlässt glücklich das Impfzentrum: „Ich freue mich, dass ich nun schneller als geplant geimpft werden konnte.“ Zwar habe sie in den vergangenen Tagen lange in der Warteschleife der Impfhotline warten müssen, dafür sei der Ablauf vor Ort reibungslos gewesen. Sorgen wegen einer Spritze mit Astrazeneca hatte Becker-Berz nicht. „Wenn man sich die Beipackzettel von Medikamenten anschaut, muss man ja fast überall mit Nebenwirkungen rechnen. Ich bin der Meinung, wenn eine Impfmöglichkeit besteht, sollte man sie wahrnehmen.“
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Auch Maria H. hat sich impfen lassen. „Eine Impfung mit Astrazeneca ist in jedem Fall besser, als dass ich auf einer Intensivstation liege und beatmet werden muss.“ Ilona Andresen-Paeck (60) hatte ebenfalls „keine Bedenken“ und freute sich darüber, dass sie „beim Impfen nach vorne gerutscht“ sei.
Wenig schön dagegen, was Silvia K. widerfährt, die aufgewühlt vor dem Eingangsbereich steht. Sie ist noch nicht über 60, konnte aber einen Impftermin am Telefon vereinbaren und hat eine Bestätigungsmail bekommen, dass sie sich am Ostermontag in Tempelhof impfen lassen kann. Ihre Mutter ist pflegebedürftig, hat Alzheimer. Um sie pflegen zu können, benötigt K. die Impfung.
Trotz der Regelung, dass unter 60-Jährige auf eigenen Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung mit Astrazeneca geimpft werden können, wird sie am Eingang abgewiesen. Das Personal nennt ihr als Begründung, dass sie unter 60 sei und somit nicht geimpft werden könne „Wozu bekomme ich dann einen Termin? Und heute nochmal eine Erinnerungsmail?“, fragt die Frau. „Ich bin verärgert, dass der Senat sein System nicht im Griff hat.“

Laut Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte es trotz eines „gut angenommenen“ Impfangebots über Ostern noch buchbare Termine gegeben. Möglicherweise wurden die Terminreservierungen durch den starken Andrang und technische Probleme bei der Impfhotline 9028-2200 in den vergangenen Tagen erschwert.
