Die Schönhauser Allee steht vor einem ihrer größten Umbauprojekte seit Jahrzehnten – und jetzt ist klar: Der Abriss der maroden Brücke verzögert sich. Neue Unterlagen des Senats zeigen nun, wie lange sich Anwohner, Pendler und Gewerbetreibende auf Einschränkungen einstellen müssen – und welche Risiken das Millionenprojekt birgt.
Abriss startet 2028 – aber nur, wenn die Bahn mitspielt
Die Verkehrsverwaltung hat den neuen Zeitplan bestätigt – und der hat es in sich: Der Abiss startet erst 2028. Der Neubau sol bis 2030 erfolgen Mit der Fertigstellung ist frühestens 2032 zu rechnen.
Damit verschiebt sich das Projekt nach hinten. Und das ausgerechnet an einer der meistbefahrenen Straßen Berlins, durch die täglich Zehntausende Menschen pendeln.
Denn bevor die Brücke überhaupt fallen kann, müssen umfangreiche Vorarbeiten laufen. Die BVG beginnt ab Oktober 2026 mit Stütz- und Abfangkonstruktionen für das U-Bahn-Viadukt. Danach folgen Leitungsarbeiten verschiedener Betriebe. Die Angaben gehen aus einer Antwort des Verkehrssenats auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Stefan Lenz hervor.
Abriss der Brücke erst 2028
Erst 2028 kann der eigentliche Abriss der Brücke beginnen. „Voraussetzung hierfür ist insbesondere die Bereitstellung der erforderlichen Sperrpausen der Deutschen Bahn AG“, so die Verkehrsverwaltung. Die Abstimmungen laufen – doch Verzögerungen sind jederzeit möglich.
Brückenbau bis 2030 – Gesamtprojekt erst 2032 fertig
Die neue Brücke an der Schönhauser Allee soll dann ab 2030 stehen. Doch damit ist das Projekt längst nicht abgeschlossen: Restarbeiten, Ausstattung und Komplettierung ziehen sich bis 2032. Während der Bauarbeiten ist die Straßenbahnlinie M1 das Sorgenkind während der ganzen Bauphase. Der Senat bestätigt:
„Nach aktuellem Planungsstand wird die Straßenbahnlinie M1 für einen Zeitraum von ca. 4 Jahren unterbrochen.“ Geplant sind Ersatzbusse und provisorische Haltestellen. Für Pendler bedeutet das: längere Wege, zusätzliche Umstiege und deutlich mehr Reisezeit.
Verkehr: Ein Fahrstreifen je Richtung – Fuß- und Radverkehr bleibt möglich
Während der Bauzeit soll der Verkehr auf der Straße grundsätzlich weiterlaufen – allerdings stark eingeschränkt: Autos haben nur je einen Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung. Für Fußgänger und Radfahrer gibt es provisorische Wege. Die U- und die S-Bahn werden zeitweise unterbrochen.
Der Senat betont darüber hinaus, dass der Zustand der alten Brücke jederzeit zu zusätzlichen Einschränkungen führen kann.
Außerdem wird der Neubau der maroden Brücke teurer als ursprünglich geplant. Statt 34,5 Millionen Euro rechnet der Senat nun mit rund 50 Millionen Euro.
Grund dafür seien eine detailliertere Planung, eisenbahnspezifische Anforderungen, zusätzliche Bauphasen und die allgemeine Baukostensteigerung.

Arcaden: Zugänge bleiben – aber mit Provisorien
Die Schönhauser-Allee-Arcaden und umliegende Geschäfte sollen während der Bauarbeiten erreichbar bleiben. Über provisorische Fußwege und Stege, die sich je nach Bauphase ändern, sollen Kunden das Einkaufszentrum erreichen können.
Trotz der massiven Baustelle plant der Senat keine neuen dauerhaften Querungen wie etwa eine Ertüchtigung des Greifenhagener Stegs. Rettungsfahrzeuge sollen über die temporären Verkehrsführungen geleitet werden.
Verzögerungen sind wahrscheinlich
Dass dieses Mammutprojekt ohne Verzögerungen über die Bühne geht, das glaubt selbst der Senat nicht. Es gibt jede Menge Risiken für Verzögerungen: Die Arbeiten finden im extrem beengten innerstädtischen Raum statt. Gleich drei Verkehrsebenen sind zu berücksichtigen.

Unterhalb der Straße befinden sich zahlreiche Leitungen, die mehrfach verlegt werden müssen. „Die Bauausführung besitzt ein sehr hohes Potenzial für Verzögerungen und Kostensteigerungen“, so der Senat.
Die Brücke ist alt, marode und seit Jahren ein Problemfall. Doch statt schneller Lösungen gab es: komplizierte Abstimmungen zwischen Bezirk, Senat und Bahn, neue Prüfungen zur Statik, zusätzliche Planungsrunden, steigende Kosten.
