Neue Zahlen, alte Fragen

Ausländerkriminalität: Warum Wohnen und soziale Medien eine Rolle spielen

Kriminalität in der Hauptstadt. Wohnumfeld, soziale Faktoren und soziale Medien erklären, warum Ausländer in Statistiken auffallen.

Author - Sebastian Karkos
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Das Kottbusser Tor in Kreuzberg gilt als Berliner Kriminalitäts-Hotspot.
Das Kottbusser Tor in Kreuzberg gilt als Berliner Kriminalitäts-Hotspot.Sophia Weimer/dpa

Berlin und die Kriminalität. Insgesamt erfasste die Polizei im Jahr 2025 knapp über 500.000 Straftaten – 6,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Den größten Anteil machten Diebstähle und Einbrüche aus, daneben spielten aber auch Internetkriminalität und Drogendelikte eine Rolle.

Berlin wird nur von Hamburg und Bremen übertroffen

43,3 Prozent der Tatverdächtigen im Jahr 2025 waren Ausländer. Dieser Wert wird nur von Hamburg (47,3 Prozent) und Bremen (43,6 Prozent) übertroffen – den beiden anderen Stadtstaaten, wie Zahlen des Mediendienstes Integration zeigen. Damit ist diese Gruppe in der Statistik überdurchschnittlich vertreten.

Deutschlandweit liegt der Anteil bei 35 Prozent – bei einem Gesamt‑Ausländeranteil von 15 Prozent (in Berlin: 22 Prozent). Allerdings gilt: Rund ein Viertel der ermittelten ausländischen Tatverdächtigen hatte keinen Wohnsitz in Deutschland (in Berlin rund 18 Prozent). Insgesamt bewegen sich die Zahlen auf dem Niveau des Vorjahres.

Gewalt, Diebstahl und Sachbeschädigungen im Fokus

Gibt es bestimmte Kriminalitätsbereiche, bei denen Nichtdeutsche in besonderem Maße auffallen? Dr. Susann Prätor, Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen, Soziologin und Kriminologin, sagt: „Insgesamt finden sich im Hellfeld höhere Belastungen durch nichtdeutsche Personen nicht nur bei Gewalt, sondern auch bei Eigentumsdelikten, Diebstahl und Sachbeschädigungen.“

Einsatz der Polizei und Feuerwehr wegen eines Schusswechsels in Moabit.
Einsatz der Polizei und Feuerwehr wegen eines Schusswechsels in Moabit.Olaf Wagner

Eine wichtige Rolle in Berlin und den anderen Stadtstaaten spielen die Wohnverhältnisse. Eine Studie des Ifo-Instituts von 2025 zeigt, dass Ausländer in Deutschland häufiger in Gegenden leben, die ohnehin eine erhöhte Kriminalitätsdichte aufweisen. Prätor sagt dazu:
„Es ist eine strukturelle Problematik, dass sich bestimmte Menschen in bestimmten Stadtteilen ballen und sich gar nicht frei aussuchen können, wo sie Wohnraum erhalten.“

Ausländer bekommen bestimmte Wohnungen nicht

Sie erklärt weiter: „Es gibt Fälle und Studien, die zeigen, dass Menschen mit einem ausländisch klingenden Namen Wohnungen in bestimmten Stadtteilen gar nicht bekommen haben. Das verstärkt wiederum, dass sich Personen in gewissen Stadtteilen ballen. Das hat auch Folgen für die Integration: Komme ich mit alternativen Wertvorstellungen in Kontakt? Wie ist die Infrastruktur in diesem Stadtteil? Habe ich überhaupt Gelegenheiten, mich zu integrieren und mit anderen in Kontakt zu kommen?“

Auffällig in ganz Deutschland ist zudem der hohe Täteranteil junger Männer. Prätor sagt: „Es geht um gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen. Ich muss Gewalt zeigen, um zu zeigen, dass ich ein echter Mann bin. Ich muss mich durchsetzen, damit ich meine Ehre im Zweifelsfall wiederherstellen kann – notfalls durch Gewalt. Das ist am ehesten der kulturelle Faktor.“

Auch junge Deutsche haben ein neues Männlichkeitsbild

Prätor fügt hinzu: „Die Zustimmung zu diesen Männlichkeitsnormen ist in der Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund deutlich höher. Aber: In Studien ist zu beobachten, dass auch deutsche Jugendliche dieses Männlichkeitsbild wieder in stärkerem Maße befürworten.“

Soziale Medien spielen für junge Männer eine sehr wichtige Rolle.
Soziale Medien spielen für junge Männer eine sehr wichtige Rolle.ZB

Ein Grund dafür seien soziale Medien – aber nicht nur. Prätor sagt:
„Soziale Medien konsumieren nahezu alle Menschen. Aber es ist sehr, sehr naheliegend, dass dieses Männlichkeitsbild, diese stärkere Bedeutung von Männlichkeitsnormen, stark medial geprägt ist. Man muss sich nur die Weltpolitik anschauen, wie bestimmte männliche Personen dort auftreten und sich verhalten.“

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