500 Demonstranten waren angekündigt. Doch es sind weit mehr gekommen, wie unsere KURIER-Reporterin vor Ort berichtet. Die Polizei schätzte die Zahl auf 6700, die Veranstalter sprechen sogar von 13.000 Teilnehmern, die „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ auf die Straße gegangen sind. Fake-Profile, Deep Fakes, Scham – Betroffene berichten davon bei der Demo am Brandenburger Tor.
„Gewalt gegen Frauen gefährdet Demokratie“
Ein Skandal bewegt Deutschland. Frauen und Männer. Die Schauspielerin Collien Fernandes (44) hat ihren Ex-Mann, den „Jerks“-Star Christian Ulmen (50), angezeigt. Es geht um sexualisierte Gewalt im Internet.
Fernandes erhob im Interview mit dem Spiegel drastische Anschuldigungen gegen den Vater ihrer Tochter und wirft ihm vor, sie „digital vergewaltigt“ zu haben. Sie geht mutig an die Öffentlichkeit. Ihr Ziel: Bewusstsein schaffen. Den ihr Schicksal ist kein Einzelfall.

„Tokio Hotel“-Star Georg Listing solidarisiert sich mit Collien Fernandes
Nicht nur Frauen sind zur Demonstration „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ am Brandenburger Tor gekommen. Auch zahlreiche Männer zeigen sich mit den Opfern sexualisierter Gewalt im Internet solidarisch.
„Tokio Hotel“-Star Georg Listing (38) ist ebenfalls vor Ort, um ein Zeichen zu setzen. Er sagt zum Berliner KURIER: „Ich bin hier, um meine Solidarität zu zeigen, weil mich der Fall schockiert und vor allen Dingen, dass ich davor nichts darüber wusste.“

Weiter sagt er: „Ich muss mich erst mal richtig damit auseinandersetzen, weil ich erst dadurch über das Thema Bescheid weiß, obwohl Collien schon davor große Dokus darüber gemacht hat.“ Privat kennt Georg weder Collien Fernandes noch Christian Ulmen.
Eine Bühne ist aufgebaut. Hier sollen prominente Frauen sprechen. Unter ihnen sind auch die Klimaschutzaktivistinnen Luisa Neubauer (29) und Theresia Crone (24). Beide sind Opfer sexualisierter Gewalt im Internet und sprechen als Betroffene. Ebenfalls vor Ort sind Grünen-Chefin Franziska Brantner (46), Ricarda Lang (32, Grüne), Schauspieler Jannis Niewöhner (33) oder Sängerin Bahar Kizil (37).

Auch die Berliner sind bestürzt. Sozialarbeiterin Magali (25) zeigt sich erschüttert, sie sagt zum KURIER: „Ich bin hier, weil ich wütend bin. Inzwischen sehr wütend. Ich sehe auch hier, dass ich nicht die einzige Person bin, die wütend auf dieses System ist. Es ist wichtig, dass sowas gesagt wird, aber eigentlich ist es auch nicht verwunderlich, dass es im engsten Kreis passiert ist und dass es auch öffentlichen Personen passiert.“
Marion (39) sagt: „Ich finde es wichtig, dass darüber gesprochen wird, auch wenn mich nicht überrascht hat, was passiert ist. Sexualisierte Gewalt findet gerade Zuhause statt und es scheint viele Menschen noch zu überraschen.“
Auf Transparenten stehen Parolen wie: „Hört ihr lautes Schweigen“. Oder: „Gewalt gegen Frauen gefährdet Demokratie“. Und: „Wer Täter schützt ist Mittäter“.
Auch treten mehrere Musikerinnen auf, die lautstark auf die Missstände im Internet Hinweisen wollen. Organisiert wird die Kundgebung von der Initiative „Nur Ja heißt Ja“ und dem neuen Bündnis „Feminist Fight Club“.
Der Anlass der Demo: die aktuelle Debatte über sexualisierte Gewalt im Internet, die vor allen Frauen trifft. Die Veranstalterinnen wollen ihre Solidarität mit der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes zeigen.




