50.000 Kids betroffen

Abgeordnetenhaus dafür: In Berlin soll ab 16 gewählt werden

Bei der Debatte im Landesparlament sprach sich die Mehrheit dafür aus – nur die AfD ist dagegen.

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Das Senken des Wahalters von 18 auf 16 Jahre wird in Berlin immer wahrscheinlicher.
Das Senken des Wahalters von 18 auf 16 Jahre wird in Berlin immer wahrscheinlicher.Sascha Steinach/imago

Jahrelang wurde darüber diskutiert – und jetzt geht es plötzlich ganz schnell. Nachdem der schwarz-rote Senat vor einer Woche einen Gesetzentwurf zur Senkung des Wahlalters in Berlin von 18 auf 16 Jahre beschloss, ist nun auch das Landesparlament mehrheitlich dafür. Um diesen Schritt zu gehen, muss allerdings die Berliner Landesverfassung geändert werden.

Das Berliner Abgeordnetenhaus bringt die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei Wahlen zum Landesparlament auf den Weg. In der Debatte darüber bei der Plenarsitzung im Landesparlament am Donnerstag sprach Innensenatorin Iris Spranger von einer wichtigen Neuregelung für mehr Partizipation bei der Abgeordnetenhauswahl. Jüngere Menschen seien von landespolitischen Entscheidungen ebenso betroffen. Durch die Absenkung des Wahlalters erhielten sie ein größeres Mitbestimmungsrecht, argumentierte die SPD-Politikerin. Sie wies Kritik zurück, Minderjährige seien noch nicht reif genug dafür. „Menschen können sich mit 16 Jahren genauso eine Meinung bilden wie Menschen mit 18 Jahren.“

Betroffen seien rund 50.000 Jugendliche in Berlin, die künftig wählen dürften, sagte Spranger. „Ich hoffe, dass die Regeln noch in diesem Jahr umgesetzt werden.“ Für die notwendige Verfassungsänderung ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Linke und Grüne haben dafür bereits ihre Unterstützung signalisiert.

Innensenatorin will das Absenken des Wahlalters noch in diesem Jahr durchbringen.
Innensenatorin will das Absenken des Wahlalters noch in diesem Jahr durchbringen.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Wählen ab 16 in Berlin – die Grünen sagen: „Na endlich“

Klara Schedlich von den Grünen sagte: „Na endlich. Warum hat das eigentlich so lange gedauert? Das Wahlalter 16 muss jetzt endlich kommen.“ Die jüngste Abgeordnete im Landesparlament erinnerte daran, dass die CDU sich noch im vergangenen Jahr gegen die Altersabsenkung ausgesprochen hatte. Sie forderte die Abgeordneten auf, ihre Politik mehr auf Jugendliche auszurichten. Kritik übte sie an den Maßnahmen zu politischer Bildung, auf die die CDU parallel zur Altersabsenkung gepocht hatte. „Sie unterstellen jungen Menschen, sie seien zu dumm, Wahlentscheidungen zu fällen.“

Wahlalter runter auf 16: CDU will mehr Besuche von Jugendlichen im Landesparlament

Die CDU-Abgeordnete Lilia Usik wies das zurück: Die Stärkung der politischen Bildung sei eine Notwendigkeit und habe nichts mit Dummheit zu tun. Jugendliche seien oft misstrauisch, ob ihre Stimmabgabe zu Änderungen führen könne. Es gehe darum, ihnen dieses Misstrauen zu nehmen. Unter anderem sollen alle Schülerinnen und Schülern künftig im Rahmen des Unterrichts das Landesparlament und den Bundestag besuchen. Außerdem sollen Projekte der politischen Bildung für Kinder und Jugendliche in den Kinder- und Jugendbeteiligungsbüros in den Bezirken erarbeitet werden.

Marc Vallendar von der AfD sprach sich gegen die Absenkung des Wahlalters aus. Er warf der Regierungskoalition vor, dafür keine ausreichende Begründung zu liefern. Die Festlegung auf 16 Jahre sei willkürlich – genauso gut sei ein Wahlrecht mit 14, mit sieben Jahren oder ab der Geburt denkbar. Es sei schlicht ein Wahlgeschenk an die 16 Jahre alt werdenden Menschen und gleichzeitig ein Wählerbetrug der CDU, die vor der Wahl noch dagegen gewesen sei.