Der ehemalige Radsportler und Olympiasieger Olaf Ludwig hat mit scharfen Worten auf die Nichtaufnahme von DDR-Radlegende Gustav Adolf „Täve“ Schur in die Ruhmeshalle des deutschen Sports reagiert. Der Geraer bezeichnet die Entscheidung als „eine Schmach“, wie er dem Berliner KURIER sagt. Das sei dem Titel Hall of Fame nicht würdig.
„Täve“ wurde bereits zweimal nicht aufgenommen
Der KURIER hatte berichtet, dass Täve Schur trotz seiner zahlreichen Erfolge und Verdienste nicht in die sogenannte Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wird. Nach zwei gescheiterten Versuchen 2011 und 2017 wird es keinen dritten Anlauf geben. Das erklärte die Stiftung Deutsche Sporthilfe dem KURIER.
DDR-Radsportler Olaf Ludwig: „Passt nicht zusammen“
„Es gibt derzeit keine neuen Informationen, die erwarten lassen, dass ein dritter Anlauf erfolgreich wäre“, teilte die Stiftung Deutsche Sporthilfe mit. Bei den beiden bisherigen Nominierungen hatte sich die Jury gegen eine Aufnahme von Schur in die Ruhmeshalle entschieden.
Für Ludwig unbegreiflich: „Mit der Bezeichnung ‚Hall of Fame des deutschen Sports‘ passt es einfach nicht zusammen“, sagt er. Die Entscheidung sei „seiner sportlichen Leistung nicht würdig“. Dennoch könne er verstehen, dass es nach zwei gescheiterten Anläufen „keinen Sinn“ mehr ergebe, es noch einmal zu versuchen.

Ludwig hat „absoluten Respekt“ vor der Leistung
Täve Schur hatte am 28. Februar im Sportzentrum Am Mühlberg in Kleinmühlingen im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt seinen 95. Geburtstag gefeiert. Unter den zahlreichen Gästen war auch Ludwig. „Er war immer geradeaus und rot“, sagt Ludwig mit Bezug auf Schurs politische Aktivitäten in der FDJ, SED beziehungsweise PDS.
„Man muss nicht immer seiner Meinung sein, aber absoluten Respekt gilt es dafür zu haben“, sagt der 65-Jährige, der sich zweimal den Gesamtsieg bei der Friedensfahrt sicherte und drei Etappen bei der Tour de France gewann.
Er war immer geradeaus und rot.
„Täve“ Schur ist auch mit 95 Jahren noch fit
Auf seine eigene Karriere hatten die Erfolge der ostdeutschen Radlegende allerdings keinen besonderen Einfluss. „Alle kannten Täve, aber ich habe ihn nicht persönlich erlebt als Aktiver und hatte andere Vorbilder“, erzählt Ludwig. Mit Täve verbindet ihn trotzdem der Radsport, die Leidenschaft und gegenseitiger Respekt.
Besonders bemerkenswert findet er an Schur, dass er auch heute noch so viele Menschen bewegt und Eindruck hinterlässt. Und dann sind da noch seine sportlichen Fähigkeiten, die auch mit 95 Jahren viele in den Schatten stellen. „Seine Fitness in allen Bereichen ist absolut beeindruckend“, sagt Ludwig.
Täve Schur: Viele Erfolge, viel Kritik
Täve Schur hatte als erster Deutscher 1955 und 1959 die Friedensfahrt gewonnen und war erster Amateur-Weltmeister aus Deutschland. Außerdem gewann er bei Olympia 1956 Bronze in der Mannschaftswertung und 1960 Silber im Mannschaftszeitfahren. Er wurde neunmal zum „Sportler des Jahres“ in der DDR gewählt und erhielt 2025 den Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt.
Trotz seiner Erfolge sorgte er mit zahlreichen Aussagen über die DDR-Vergangenheit und das Staatsdoping für Kritik. Unter anderem verharmloste er das DDR-Unrecht und bestritt das staatliche Zwangsdoping.
Diese Kriterien müssen für die Aufnahme erfüllt werden
Wie die Sporthilfe auf KURIER-Anfrage erklärte, gibt es ein Leitbild, das für die Aufnahme von Sportlerinnen und Sportlern als Grundlage herangezogen werden soll.
Das sieht folgende Punkte vor: Herausragende sportliche Leistungen und Erfolge bzw. herausragendes Engagement im Sport und damit Vorbildwirkung als Persönlichkeit; klare Haltung zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung; klare Haltung zum Fairplay, gegen Sportbetrug und Doping; klare Haltung zur eigenen Vergangenheit; Reflexion zu in der Vergangenheit gemachten Verfehlungen/Entscheidungen (Geheimdiensttätigkeit, Doping, etc.); besondere Biografien infolge von Unterdrückung, politischer Verfolgung oder persönlichen Schicksalsschlägen im Rahmen der Ausübung der Sport-Tätigkeit.




